Eine Welt der Farbe

Dass kulturelle und soziale Konventionen unsere Farbentscheidungen beeinflussen, ist nachvollziehbar. Aber spielen auch Klima und Licht, und somit geographische Aspekte, eine Rolle bei Designentscheidungen?

Wie wir die Farben eines Objekts wahrnehmen, hängt davon ab, wie es das Licht reflektiert, das jeweils darauf fällt. Ein Apfel unter weißem Licht erscheint farblich anders als mit blauem Licht beschienen. Das macht sich zum Beispiel der Einzelhandel zunutze bei der Präsentation von Lebensmitteln. Generell schafft warme oder kühle Innenbeleuchtung unterschiedliche Stimmungen oder Atmosphären.

In der Natur wirkt das gleiche Prinzip, wenn auch weniger ausgeprägt. Vom Äquator Richtung Norden, wird das natürliche Licht blauer und enthält proportional weniger Rotanteile. Deshalb wirken ‚warme‘ Farben in Ländern nahe am Äquator schön und leuchtend und auf der Nordhalbkugel weniger intensiv. Je höher im Norden, desto deutlicher ist dieser Effekt. Umgekehrt wirken dort ‚kühle‘ Blau- und Grautöne ansprechender. Stets mitbedacht auch kulturelle Einflüsse, kann man sich mit diesem Erklärungsansatz von Licht und Farben auch Farbtrends annähern.

Mit der Methode der Farbtemperatur lassen sich die Farbeigenschaften des Lichts beschreiben; sie wird in Grad Kelvin gemessen. Das wird zum Beispiel angewendet bei der Entwicklung der Farbpaletten von neuen Produkten.

David Brailsford, Manager Produkteinführung bei Altro in UK, einem Innovationsführer für Bodenbeläge und Wandverkleidungen, analysiert mit seinem weltweiten Team in der Gesundheitspflege verwendete Oberflächenfarben, was in Planung und Entwicklung zukünftiger Produkte einfließt, die rund um die Welt verwendet werden sollen.

In den USA sind im Gesundheitsbereich warme, beige Töne für Bodenbeläge besonders beliebt, in den Ländern rund um das Mittelmeer eher intensivere, wärmere Farbtöne; in Skandinavien leisten Weiß, kühles Blau sowie helle und dunkle Grautöne ihren Beitrag zur stilvollen Umgebung im Gesundheitsbereich; im Nahen Osten sind blassere Pastelltöne ein Renner.

Bei der Spezifizierung von Materialien für Bodenbeläge und Wandverkleidungen im Gesundheitssektor, stehen Designer und Architekten vor der Herausforderung, einerseits strenge Hygienekriterien, Sicherheitsanforderungen und gesetzliche Vorschriften zu erfüllen; andererseits werden von ihnen auch kreative Umgebungen erwartet.

Als global agierendes Unternehmen ist Altro steht in stetigem und aktivem Austausch mit seinen Kunden weltweit, sodass deren Anregungen und Erfahrungen sich in der Farbgebung der Produkte wiederfinden. So waren letzten September bei Altro Debolon in Deutschland Kunden und Designer aus ganz Europa zusammengekommen, um sich über die zukünftige Leistungsdaten und Farbpaletten auszutauschen. Eine große Design-Auswahl –Farbpaletten, Muster und Oberflächenausführungen – ermöglicht große Kreativität und viele Stile, selbst im Gesundheitswesen, in dem Funktionalität höchste Priorität hat.

Farbe und Wohlbefinden

Ästhetik und Design spielen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von beruhigenden, heilenden und therapeutischen Umgebungen. Das gilt für Krankenhäuser, aber noch mehr für die psychische Gesundheitsversorgung. Mit der richtigen Farbtemperatur im Innenraum lassen sich aber auch Menschen mit Sehbehinderungen unterstützen.

Es gibt eine klare Bewegung, mit wärmer wirkenden Einrichtungen im Gesundheitswesen die Atmosphäre eines ‚zweiten Zuhauses‘ zu schaffen. Es ist ein bewusster Schritt weg von den kälteren Farben eines klinischen Ansatzes. Die Herausforderungen für Designer und Architekten liegen darin, Unerwartetes zu schaffen, Konventionen zu überwinden, traditionelles und lange gültiges Design im Gesundheitsbereich zu ändern, und umgekehrt zu berücksichtigen, dass Pflegeheime und Demenz-Abteilungen  einen traditionelleren und vertrauteren Ansatz benötigen.
Posted: 07.02.2017 15:40:17 by Lea Charnley | with 0 comments